Vom Glück des Vorlesens
Bad Arolsen – Milli, Rudi und der Schatzfindefisch standen an diesem Morgen beim Vorlesen in der evangelischen Kita Königsberg im Mittelpunkt.
Mitviel Freude und Ausdrucksstärke las Angela Dingel-Padberg sechs Kindern aus dem Buch von Angelika Glitz vor. Man merkte ihr an, wie viel Freude sie daran hat, Kindern vorzulesen. Das blieb an diesem Morgen auch Kultusminister Armin Schwarz nicht verborgen. Und ganz nebenbei vermittelt das Vorlesen so viel frühkindliche Bildung und Sprachkompetenz, dass das Beispiel der ehrenamtlichen Vorlesepaten Schule machen soll. Das kann die Fachkraft für Sprachförderung, Selma Özdemir, nur unterstreichen.
„Frühkindliche Leseförderung legt die Grundlage dafür, dass Kinder später leichter lesen lernen, Freude an Geschichten entwickeln und ein guter Start in die Schule gelingt. Das Lesen fördert die sprachliche, kognitive und soziale Entwicklung von Kindern“, so Schwarz. Er untermauerte die Wichtigkeit dieser Kompetenzen anhand von Zahlen. Denn von 59.000 Kindern, die im vergangenen Jahr in Hessen eingeschult wurden, fiel bei 16.000 schon ein Jahr vorher bei der Schuleingangsuntersuchung auf, dass sie über viele Kompetenzen, die sie für die Einschulung mitbringen müssen, nicht verfügen. Sie mussten einen verpflichtenden Vorlaufkurs besuchen. Und es sind längst nicht nur die Kinder mit Migrationshintergrund, die nicht fit genug für die Schule sind.
Schwarz hat den Deutschunterricht bereits von sechs auf sieben Stunden pro Woche in der 2. Klasse angehoben. Außerdem plant er eine weitere Deutschstunde für die ersten Klassen. Und mit den Lesepaten wird ein niederschwelliger Zugang zu Bildung und Teilhabe schon vor der Schule gelegt.
„Es gibt mir Anerkennung, ich bin in das soziale Netzwerk der Kita eingebunden, ich lerne viel von den Kindern und es macht mich glücklich“, fasst Angela Dingel-Padberg ihre Aufgabe als Lesepatin zusammen, die sie an zwei Tagen pro Woche für jeweils eine Stunde ausübt. „Es ist keine Pflicht. Wer den Kindern vorlesen möchte, kann selbst bestimmen, wie oft und wie lange er in die Kita kommt“, möchte sie andere motivieren, es ihr gleichzutun. Auch Bürgermeister Marko Lambion konnte nur dazu aufrufen, Lesepate zu werden. Er bezeichnete das Vorlesen als Hort der Geborgenheit.
Der Stadt Bad Arolsen ist gemeinsam mit dem Zweckverband Evangelischer Kindertagesstätten Nordwaldeck daran gelegen, dass sich mehr Lesepaten in allen 16 Kitas des Nordwaldecker Zweckverbandes finden. Weiterhin können sich auch Lesepaten für den Zweckverband Evangelischer Kindertagesstätten Eisenberg, dem weitere 14 Kitas angehören, melden.
Am 18. Juni und 9. Juli werden jeweils von 10 bis 11.30 Uhr im Bad Arolser Haller-Haus zwei Informationsveranstaltungen zum Thema angeboten.
Hier für ist eine Anmeldung bei Alina Michel vom Kirchenkreisamt unter 0561/937825-164 oder alina.michel@ekkw.de erforderlich.
Heike Saure, Waldeckische Landeszeitung, Ausgabe vom 30.05.2026